Phytocannabinoide — redaktionelles Titelbild von CBDWissen

Glossar

Phytocannabinoide: Definition und Einordnung im Glossar

  • Phytocannabinoide sind die Cannabinoide, die die Hanfpflanze selbst bildet.
  • Mehr als hundert Vertreter sind bekannt; die bekanntesten sind THC und CBD.
  • In der Pflanze liegen sie als Säuren vor und werden erst durch Erhitzen aktiv.

Veröffentlicht am 12. August 2026 · Zuletzt aktualisiert am 12. August 2026

Phytocannabinoide: Phytocannabinoide sind die natürlichen Cannabinoide der Hanfpflanze Cannabis sativa L. Die Pflanze bildet mehr als hundert dieser Verbindungen; die bekanntesten sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD).

Phytocannabinoide sind die Stoffgruppe, der die Hanfpflanze ihre Wirkung verdankt. Dieser Glossareintrag definiert den Begriff, nennt die wichtigsten Vertreter und grenzt ihn von den körpereigenen und den synthetischen Cannabinoiden ab.

Die Kurzdefinition steht im Kasten direkt unter dem Titel. Die Abschnitte darunter erklären, was sie im Einzelnen bedeutet. Wer nur die Kurzfassung sucht, ist nach dem Kasten fertig. Wer Hintergrund sucht, liest weiter.

Der Begriff begegnet in Studien, auf Etiketten und in Fachtexten über Hanf. Wer ihn sicher einordnet, versteht den Unterschied zwischen Pflanzenstoff und körpereigenem Botenstoff. Genau dafür ist dieser Eintrag geschrieben. Vorkenntnisse aus Chemie oder Biologie brauchen Sie dafür nicht.

Was sind Phytocannabinoide?

Phytocannabinoide sind Cannabinoide aus Pflanzen. Das griechische Wort phyton bedeutet Pflanze. Auf dieser Website ist damit fast immer die Hanfpflanze Cannabis sativa L. gemeint — die einzige Pflanze, die viele dieser Stoffe in größeren Mengen bildet.

Chemisch gehören die Phytocannabinoide zu den Terpenophenolen, einer Gruppe natürlicher Pflanzenstoffe. Die Pflanze produziert sie in ihren Drüsenhaaren, den sogenannten Trichomen. Diese sitzen vor allem an den Blüten weiblicher Pflanzen.

In den Samen und im Stängel kommen die Stoffe dagegen nur in sehr geringen Mengen vor. Aus diesem Grund stammen Extrakte für Produkte fast immer aus den Blüten.

Bekannt wurde die Gruppe durch zwei Vertreter: Tetrahydrocannabinol (THC) als psychoaktiver Hauptbestandteil und Cannabidiol (CBD) als nicht psychoaktiver Gegenpart. Die übrigen Vertreter erforscht die Wissenschaft erst seit Kurzem genauer.

Die chemische Vielfalt der Pflanze beschrieb die Forschung früh als komplexes Gemisch. Diese Komplexität erschwert die Untersuchung bis heute: Ein Extrakt enthält Dutzende Stoffe gleichzeitig, ihre Einzelwirkungen lassen sich kaum sauber trennen.

Wie erforscht die Wissenschaft diese Stoffe?

Die Forschung zu Phytocannabinoiden begann mit der Isolierung von THC in den 1960er-Jahren. Danach folgten die Beschreibung der Rezeptoren im Gehirn und die Identifizierung weiterer Pflanzenstoffe. Viele der über hundert Vertreter sind bislang nur chemisch erfasst, nicht in ihrer Wirkung verstanden.

Ein großer Bericht der US-Nationalen Akademien der Wissenschaften ordnete 2017 die gesamte Studienlage zu Cannabis und Cannabinoiden neu ein. Er zeigt: Die Belege sind je nach Fragestellung sehr unterschiedlich. Für manche Wirkungen liegen viele Studien vor, für andere fast keine.

International bewerten Fachgremien die Stoffe getrennt. Die Weltgesundheitsorganisation stellte 2017 fest, dass reines CBD kein Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotenzial zeigt. Diese Einschätzung gilt für die reine Substanz, nicht für jedes Produkt — und sie überträgt sich nicht auf andere Phytocannabinoide.

Aus dem Forschungsstand folgt eine praktische Leseregel. Aussagen über ein einzelnes Cannabinoid gelten nicht automatisch für die ganze Gruppe. Und Aussagen über die Gruppe sagen wenig über einen einzelnen Stoff.

Welche Phytocannabinoide gibt es?

Mehr als hundert verschiedene Phytocannabinoide sind in der Fachliteratur beschrieben. Neben THC und CBD zählen dazu unter anderem diese Vertreter.

  • Cannabigerol (CBG), die Ausgangssubstanz vieler anderer Cannabinoide.
  • Cannabinol (CBN), das vor allem beim Altern des Pflanzenmaterials entsteht.
  • Cannabichromen (CBC), ein weiterer häufiger Begleitstoff.
  • Cannabidivarin (CBDV) und Tetrahydrocannabivarin (THCV), Varianten mit verkürzter Seitenkette.

Die Menge der einzelnen Stoffe schwankt stark. Sie hängt von Sorte, Pflanzenteil, Wachstumsbedingungen und Erntezeitpunkt ab. Sorten für den Rauschkonsum enthalten viel THC, Nutzhanf-Sorten vor allem CBD.

Neben den Cannabinoiden bildet die Pflanze weitere Inhaltsstoffe. Dazu zählen Terpene für Geruch und Geschmack sowie Flavonoide. Ob diese Begleitstoffe die Wirkung der Cannabinoide beeinflussen, prüft die Forschung als Entourage-Hypothese.

Die Entstehung der Wirkstoffe in der Pflanze

Die Pflanze bildet Cannabinoide zunächst als Säuren. Aus der gemeinsamen Vorstufe Cannabigerolsäure entstehen dabei drei Hauptrichtungen: Tetrahydrocannabinolsäure (THCA), Cannabidiolsäure (CBDA) und Cannabichromensäure (CBCA).

Diese Säureformen sind nicht psychoaktiv. Erst Wärme wandelt sie in die bekannten Formen um. Aus THCA wird THC, aus CBDA wird CBD. Dieser Vorgang heißt Decarboxylierung und läuft beim Rauchen, Erhitzen oder längeren Lagern ab.

Für Produkte hat das eine praktische Folge. Rohes Pflanzenmaterial enthält vor allem Säuren, verarbeitete Extrakte vor allem die umgewandelten Formen. Hersteller steuern diesen Schritt beim Trocknen und Erhitzen des Ausgangsmaterials.

Diese Zusammenhänge erklären auch Angaben auf Etiketten. Manche Analysen weisen die Säureform und die umgewandelte Form getrennt aus. Beide Werte zusammen sagen mehr über ein Produkt als eine einzelne Prozentzahl auf der Vorderseite.

Was unterscheidet Phyto- von anderen Cannabinoiden?

Der Begriff Cannabinoid umfasst drei Gruppen mit verschiedenem Ursprung. Diese Einteilung hilft beim Lesen von Fachtexten und Produktbeschreibungen.

GruppeUrsprungBeispiele
PhytocannabinoideHanfpflanzeTHC, CBD, CBG
Endocannabinoidemenschlicher KörperAnandamid, 2-AG
Synthetische CannabinoideLaborForschungs- und Rauschsubstanzen

Achtung: Phytocannabinoide sind nicht dasselbe wie Endocannabinoide. Die pflanzlichen Stoffe kommen aus der Hanfpflanze, die körpereigenen stellt der Mensch selbst her. Beide wirken an denselben Rezeptoren, unterscheiden sich aber in Herkunft und rechtlicher Behandlung.

Eine zweite Abgrenzung gilt den synthetischen Cannabinoiden. Diese Laborsubstanzen ahmen die Wirkung von THC nach, sind aber oft erheblich stärker und schlechter erforscht. Mit natürlichen Pflanzenstoffen haben sie nur den Wirkort gemeinsam.

Vertiefende Artikel

Dieser Eintrag liefert bewusst nur die Kurzfassung des Begriffs. Er beantwortet, was Phytocannabinoide sind, welche Vertreter bekannt sind und wie sie in der Pflanze entstehen. Die Vertiefung mit allen Hintergründen und Quellen steht in den Themengebieten dieser Website.

Die Stoffgruppe als Ganzes mit ihren wichtigsten Vertretern und ihrer Erforschung stellt der Artikel Was sind Cannabinoide? ausführlich vor. Die körpereigene Gegengruppe erklärt der Glossareintrag zu Endocannabinoiden.

Den bekanntesten einzelnen Vertreter behandelt der Glossareintrag zu THC in diesem Verzeichnis. Weitere Fachbegriffe finden Sie im Glossar; alle Themengebiete bündelt die Startseite von CBDWissen.

Quellen

  1. B · Peer-reviewte StudieAbruf: 12. August 2026
  2. B · Peer-reviewte StudieAbruf: 12. August 2026
  3. B · Peer-reviewte StudieAbruf: 12. August 2026
  4. A · Behörde / RechtAbruf: 12. August 2026
  5. B · Peer-reviewte StudieAbruf: 12. August 2026

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