Cannabinoide (Stoffgruppe) — redaktionelles Titelbild von CBDWissen

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Was sind Cannabinoide? Die Wirkstoffe der Hanfpflanze

  • Cannabinoide sind die charakteristischen Wirkstoffe der Hanfpflanze; über hundert sind bekannt.
  • Forscher unterscheiden pflanzliche, körpereigene und synthetische Cannabinoide.
  • Die meisten Cannabinoide sind nicht psychoaktiv; THC ist die große Ausnahme.

Veröffentlicht am 25. Juli 2026 · Zuletzt aktualisiert am 25. Juli 2026

Cannabinoide sind die charakteristischen Wirkstoffe der Hanfpflanze — eine Stoffgruppe mit über hundert bekannten Vertretern. Die beiden bekanntesten sind THC und CBD. Diese Seite erklärt, was die Stoffgruppe ausmacht, wie sie entsteht und wie Forscher sie einteilen.

Die Redaktion nutzt dafür die 3-Herkünfte-Regel: Jeder Stoff dieser Gruppe stammt aus der Pflanze, aus dem eigenen Körper oder aus dem Labor. Wer diese drei Herkünfte kennt, ordnet jeden Begriff rund um Hanf richtig ein.

Was sind Cannabinoide?

Cannabinoide sind eine Gruppe chemischer Verbindungen, die auf das körpereigene Signalsystem des Menschen wirken. Forscher teilen Cannabinoide in drei Gruppen ein: pflanzliche, körpereigene und synthetische.

Die pflanzlichen Vertreter heißen Phytocannabinoide — „phyto“ steht für Pflanze. Sie entstehen fast ausschließlich in der Hanfpflanze Cannabis sativa. Die körpereigenen heißen Endocannabinoide; der Körper bildet sie selbst als Botenstoffe. Die synthetischen entstehen im Labor, für Forschung und Medizin.

Wie viele es gibt, hängt von der Zählweise ab. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen nennt über 60 Cannabinoide in der Pflanze, das Deutsche Ärzteblatt etwa 144 bekannte Phytocannabinoide. Eine Übersichtsarbeit zur Chemie der Pflanze zählt über 90 beschriebene Vertreter in zehn Untergruppen. Damit bildet die Hanfpflanze die größte bekannte Vielfalt dieser Stoffe; aus anderen Pflanzen sind nur vereinzelte Vertreter bekannt.

Bekannt wurde die Stoffgruppe durch zwei Vertreter. THC erzeugt den Rausch, der die Pflanze zur Droge macht. CBD ist nicht psychoaktiv und steht im Mittelpunkt der frei verkäuflichen Produkte. Alle übrigen Vertreter stehen in Menge und Bekanntheit weit dahinter.

Chemisch gehören die pflanzlichen Vertreter zu einer eigenen Bauart. Fachleute beschreiben sie als terpenophenolische Verbindungen — Moleküle aus zwei Naturstoff-Baureihen, die die Pflanze verknüpft. Dieser gemeinsame Bauplan erklärt, warum sich die vielen Vertreter so ähneln und trotzdem unterschiedlich wirken: Kleine Änderungen am Molekül verändern Bindung und Wirkung spürbar.

Die Entdeckungsgeschichte erklärt diese Reihenfolge. THC wurde als erster Wirkstoff der Pflanze isoliert und in seiner Struktur beschrieben, bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert. Erst diese Entdeckung machte die Stoffgruppe für die Forschung greifbar — und führte später zum Nachweis der Rezeptoren, an denen die Stoffe wirken. Danach rückten auch die übrigen Vertreter in den Blick, allen voran CBD.

Für die Einordnung hilft ein Bild aus dem Haushalt. Die Stoffgruppe gleicht einer Großfamilie: Alle Mitglieder tragen denselben Namen und ähneln sich, nur wenige stehen aber in der Öffentlichkeit. THC und CBD sind die bekannten Geschwister — der Rest der Familie wartet auf genauere Erforschung.

Welche Arten von Cannabinoiden gibt es?

Die drei Gruppen unterscheiden sich in Herkunft, Vorkommen und Zweck. Die folgende Tabelle fasst die Klassifikation zusammen; sie gehört zum Grundwissen über die Hanfpflanze.

GruppeHerkunftBeispieleVorkommen
PhytocannabinoideHanfpflanzeTHC, CBD, CBG, CBN, CBCBlüten und Blätter
Endocannabinoideeigener KörperAnandamid, 2-AGGehirn, Immunsystem und mehr
Synthetische CannabinoideLaborArzneistoffe, ForschungssubstanzenMedizin und Forschung

Die Tabelle zeigt auch die Brücke zwischen den Welten. Pflanzenstoffe wie THC wirken, weil sie den körpereigenen Botenstoffen ähneln. Genau diese Ähnlichkeit erklärt, warum eine Pflanze überhaupt einen Rausch auslösen kann.

Die zweite Gruppe arbeitet still im Hintergrund. Endocannabinoide wie Anandamid und 2-AG entstehen bei Bedarf in den Zellen und steuern Grundfunktionen des Körpers. Sie sind der Grund, warum der Mensch überhaupt Cannabinoid-Rezeptoren besitzt — die Pflanze nutzt nur ein System, das längst existierte.

Zur dritten Gruppe gehört eine wichtige Warnung. Synthetische Cannabinoide aus unkontrollierten Mischungen, etwa sogenannte Räuchermischungen, wirken oft viel stärker und unberechenbarer als THC. Sie haben mit den Produkten dieser Website nichts zu tun.

Nicht verwechseln darf man damit die synthetischen Stoffe aus Forschung und Medizin. Dort werden sie gezielt und rein hergestellt, etwa um Rezeptoren zu untersuchen oder als Arzneistoff mit definierter Menge. Der Unterschied liegt in Reinheit, Dosierung und Kontrolle — nicht in der Herkunft aus dem Labor allein.

Infografik: Welche Arten von Cannabinoiden gibt es? — Drei Gruppen

Wie entstehen Cannabinoide in der Pflanze?

Alle Cannabinoide der Pflanze entstehen aus einem gemeinsamen Ausgangsstoff, der Cannabigerolsäure, kurz CBGA. Die Pflanze baut CBGA in ihren Drüsenhaaren, den Trichomen, die vor allem auf den Blüten sitzen.

Diese Drüsenhaare sind die Werkstätten der Pflanze. Sie produzieren und lagern die Cannabinoide, vor allem auf den weiblichen Blüten. Blätter enthalten weit weniger, Stängel und Samen nur Spuren. Deshalb nutzt die Extrakt-Herstellung vor allem das Blütenmaterial — und deshalb unterscheiden sich Erntezeitpunkt und Pflanzenteil so stark in der Ausbeute.

Aus CBGA entstehen über verschiedene Enzyme die sauren Formen der Wirkstoffe: THCA, CBDA und CBCA. Welche Säure überwiegt, entscheidet die Sorte. Faserhanf bildet vor allem CBDA, Zuchtformen für den Rauschkonsum vor allem THCA.

In dieser sauren Form wirken die Stoffe nicht berauschend. Erst Hitze wandelt sie um: Aus THCA wird THC, aus CBDA wird CBD. Diesen Schritt nennen Fachleute Decarboxylierung. Er geschieht beim Rauchen, bei der Herstellung von Extrakten oder beim Lagern über lange Zeit.

Die Entstehung in vier Schritten.

  1. Die Pflanze bildet CBGA in den Drüsenhaaren der Blüten.
  2. Enzyme wandeln CBGA in die Säuren THCA, CBDA und CBCA um.
  3. Hitze verwandelt die Säuren in die wirksamen Formen THC, CBD und CBC.
  4. Licht und Lagerung bauen THC mit der Zeit zu CBN ab.

Der vierte Schritt erklärt einen Alltagsbefund. Altes oder falsch gelagertes Pflanzenmaterial enthält weniger THC und mehr CBN als frisches. Licht, Wärme und Luft treiben diesen Abbau voran. Wer Extrakte lagert, verändert damit langsam deren Zusammensetzung — ein Grund, warum Hersteller Analysen mit Datum versehen.

Frische Chargen und ältere Ware können sich so spürbar unterscheiden.

Die bekanntesten Cannabinoide

Die bekanntesten Cannabinoide sind THC und CBD, gefolgt von CBG, CBN und CBC. Von den mehr als 60 Cannabinoiden der Pflanze gilt THC als die stärkste psychoaktive Wirksubstanz — so beschreibt es die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen.

THC steht für Tetrahydrocannabinol und erzeugt den Rausch. Es bindet direkt an Rezeptoren im Gehirn. CBD steht für Cannabidiol und ist nicht psychoaktiv; es beeinflusst dasselbe Signalsystem auf indirekte Weise. Der direkte Vergleich beider Stoffe steht auf der Seite CBD vs. THC.

CBG, CBN und CBC gelten als Neben-Cannabinoide. CBG entsteht aus dem Ausgangsstoff CBGA, CBN ist ein Abbauprodukt von THC bei Lagerung, und CBC zählt zu den häufigeren Vertretern der Pflanze. Ihre Erforschung steht erst am Anfang; die Beleglage ist dünn. Ausführlich behandeln wir diese drei Stoffe auf einer eigenen Seite — bewusst getrennt von diesem Überblick.

Zwei Dinge verdienen Klarheit bei allen Vertretern. Erstens ist die Wirkung der meisten Neben-Cannabinoide beim Menschen kaum erforscht; Werbeaussagen gehen oft weit über die Studienlage hinaus. Zweitens gilt für die ganze Stoffgruppe: Die Menge in der Pflanze entscheidet über die Bedeutung, nicht der Name auf der Packung.

Wie wirken Cannabinoide im Körper?

Cannabinoide wirken über das Endocannabinoid-System, das körpereigene Signalsystem des Menschen. Dort binden sie an die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 — oder sie verändern deren Antwort, ohne direkt zu binden.

Die Stärke der Bindung unterscheidet die Vertreter. THC aktiviert beide Rezeptortypen direkt, mit stärkerer Wirkung an CB1 — das erzeugt die psychoaktiven Effekte. Die meisten anderen Phytocannabinoide binden dagegen schwach oder gar nicht direkt an diese Rezeptoren. Deshalb erzeugen sie keinen Rausch.

Für die Forschung ist genau das spannend. Die nicht psychoaktiven Cannabinoide bieten einen großen Vorrat an Stoffen, deren Wirkungen sich untersuchen lassen, ohne einen Rausch auszulösen. Einzelne Vertreter wirken auch auf ganz andere Empfangsstellen, etwa auf Rezeptoren außerhalb des CB1-CB2-Systems. Diese Vielfalt an Ansatzpunkten beschreibt die Fachliteratur als Grund für das wachsende Forschungsinteresse.

Achtung: Endocannabinoide sind nicht dasselbe wie Phytocannabinoide. Endocannabinoide wie Anandamid bildet der eigene Körper als Botenstoff. Phytocannabinoide wie CBD und THC stammen aus der Pflanze. Beide wirken auf dasselbe System, haben aber völlig verschiedene Herkünfte.

Wie das Signalsystem mit Botenstoffen, Rezeptoren und Enzymen arbeitet, erklärt die Seite über das Endocannabinoid-System. Sie zeigt auch, warum der Körper diese Rezeptoren besitzt, ohne jemals Kontakt zur Pflanze zu haben.

Eine zweite Verwechslung betrifft die Begleitstoffe. Terpene sind die Duftstoffe der Pflanze und eine eigene Stoffklasse — keine Cannabinoide. Ob Pflanzenstoffe sich gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken, prüft die Forschung als Entourage-Hypothese; ein Beleg dafür steht bislang aus.

Was bedeutet das für Sie?

Für Sie heißt das: Cannabinoide sind eine große, gut erforschte Stoffgruppe — aber nur zwei Vertreter sind wirklich bekannt. Der Rest ist Sammlungswissen aus Labor und Pflanzenkunde, keine Wirkungsgarantie.

Rechtlich zählt vor allem der THC-Anteil. In den Anlagen des Betäubungsmittelgesetzes standen Cannabis und Tetrahydrocannabinole; seit April 2024 regelt das Konsumcannabisgesetz den Umgang mit THC-haltigem Cannabis. CBD als Substanz ist dort nicht als eigener Stoff verzeichnet. Die Angaben beschreiben den Stand Ende Juli 2026 — Details bleiben dem Themengebiet Recht vorbehalten.

Eine Grenze verdient besondere Aufmerksamkeit: die Apotheke. Das Arzneimittel Epidyolex enthält Cannabidiol und ist für bestimmte schwere Epilepsieformen zugelassen, verschreibungspflichtig und in Zulassungsstudien geprüft. Frei verkäufliche Produkte sind mit diesem Arzneimittel nicht gleichzusetzen — Ergebnisse aus der Arzneimittelforschung sind nicht 1:1 übertragbar.

Auf der Packung zählt am Ende die Analyse, nicht das Versprechen. Ein unabhängiges Laborzertifikat zeigt, welche Cannabinoide ein Produkt enthält und in welcher Menge. Fehlt eine solche Analyse, bleibt der Inhalt eine Behauptung des Herstellers.

Vier Punkte zum Mitnehmen.

  • Cannabinoide sind die Wirkstoffe der Hanfpflanze; bekannt sind über hundert Vertreter.
  • Die 3-Herkünfte-Regel ordnet sie ein: Pflanze, Körper, Labor.
  • Nur THC und wenige verwandte Stoffe wirken psychoaktiv.
  • Arzneimittel mit Cannabinoiden sind etwas anderes als frei verkäufliche Produkte.

Wer den wichtigsten Vertreter kennenlernen möchte, liest Was ist CBD? — dort steht auch, wie die Substanz gewonnen wird. Die Themenseite CBD-Grundlagen bündelt alle Einsteiger-Themen, und das Glossar fasst die Fachbegriffe in Kurzform zusammen.

Zum Schluss die Kernantwort: Cannabinoide sind die Wirkstoffe, die der Hanfpflanze ihre Wirkung geben — über hundert an der Zahl, aber nur wenige gut verstanden. Wer das weiß, liest Packungen und Schlagzeilen mit dem richtigen Maß an Skepsis.

Häufige Fragen

Quellen

  1. B · Peer-reviewte StudieAbruf: 25. Juli 2026
  2. B · Peer-reviewte StudieAbruf: 25. Juli 2026
  3. B · Peer-reviewte StudieAbruf: 25. Juli 2026
  4. A · Behörde / RechtAbruf: 25. Juli 2026
  5. A · Behörde / RechtAbruf: 25. Juli 2026
Alle 8 Quellen anzeigen
  1. 6.Konsumcannabisgesetz (KCanG)(öffnet in neuem Tab)Gesetze im Internet (Bundesministerium der Justiz)
    A · Behörde / RechtAbruf: 25. Juli 2026
  2. 7.Cannabis — Basisinformationen(öffnet in neuem Tab)Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS)
    C · FachinstitutAbruf: 25. Juli 2026
  3. C · FachinstitutAbruf: 25. Juli 2026

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