Flavonoide gehören zu den Begleitstoffen der Hanfpflanze, über die weniger gesprochen wird als über Cannabinoide. Dieser Glossareintrag definiert den Begriff, zeigt das Vorkommen im Hanf und grenzt Flavonoide von Terpenen und Cannabinoiden ab.
Die Kurzdefinition steht im Kasten direkt unter dem Titel. Die Abschnitte darunter erklären die Details. Wer nur die Kurzfassung sucht, ist nach dem Kasten fertig. Wer Hintergrund sucht, liest weiter.
Der Begriff begegnet Ihnen vor allem in zwei Zusammenhängen. Erstens bei der Frage, welche Stoffe ein Vollspektrum-Extrakt alles enthält. Zweitens bei der Diskussion um das Zusammenwirken der Hanf-Inhaltsstoffe.
Der Aufbau folgt dieser Reihe: Definition, die Flavonoide im Hanf und die Cannflavine. Danach der Forschungsstand und die Begriffe, mit denen Flavonoide verwechselt werden.
Was sind Flavonoide?
Flavonoide sind eine Gruppe pflanzlicher Sekundärstoffe, also Stoffe, die eine Pflanze nicht zum Überleben braucht, aber für Schutz und Färbung bildet. In der gesamten Pflanzenwelt sind viele tausend verschiedene Flavonoide bekannt.
Gebildet werden sie über einen eigenen Stoffwechselweg, der bei der Aminosäure Phenylalanin beginnt. Über mehrere Zwischenstufen entstehen daraus die Grundkörper der Flavone und Flavonole. Zugleich dienen viele dieser Stoffe der Pflanze als Abwehr gegen oxidativen Stress.
Zur Gruppe zählen unter anderem Flavone, Flavonole und Anthocyane. Im Hanf dominieren die beiden ersten Klassen. Anthocyane, die für rote und violette Färbungen sorgen, treten nur bei manchen Sorten auf.
In Pflanzen erfüllen sie mehrere Aufgaben im Überblick.
- Sie färben Blüten und Früchte und locken Bestäuber an.
- Sie schützen das Gewebe vor UV-Licht.
- Sie wehren Fressfeinde und Keime ab.
In der menschlichen Ernährung stecken Flavonoide in Obst, Gemüse, Tee und Kakao. Dort gelten sie als Bestandteil einer pflanzenreichen Ernährung.
Wichtig für die Einordnung: Flavonoide sind keine Cannabinoide. Sie kommen in vielen Pflanzenarten vor und wirken nicht über die Cannabinoid-Rezeptoren des Körpers.
Welche Flavonoide kommen im Hanf vor?
In der Hanfpflanze sind mehr als 20 Flavonoide nachgewiesen, manche Übersichten zählen über 30. Die wichtigsten im Überblick.
| Flavonoid | Klasse | Besonderheit |
|---|---|---|
| Apigenin | Flavon | Kommt auch in Kamille und Petersilie vor |
| Luteolin | Flavon | Ausgangsstoff für die Cannflavine |
| Kaempferol | Flavonol | Kommt auch in Äpfeln und Tee vor |
| Quercetin | Flavonol | Eines der häufigsten Flavonoide in Lebensmitteln |
| Cannflavin A, B, C | prenylierte Flavone | Gelten als nahezu hanfeigen |
Die Mengen sind bescheiden. Blüten enthalten etwa 0,07 bis 0,14 Prozent Flavonoide am Trockengewicht, Blätter etwa 0,34 bis 0,44 Prozent. Gebildet werden die Stoffe vor allem in den Blättern, nicht in den Drüsenhaaren, in denen die Cannabinoide entstehen.
Nachgewiesen wurden Flavonoide in Sämlingen, Blättern, Blüten und Früchten. Für Wurzeln und Samen gehen die Angaben auseinander: Ältere Analysen fanden dort keine Flavonoide, neuere Übersichten beschreiben geringe Mengen. Auch die Sorte und die Bedingungen am Standort beeinflussen die Gehalte.
Diese Verteilung hat eine praktische Folge. Wie viele Flavonoide in einem Extrakt landen, hängt davon ab, welche Pflanzenteile verarbeitet werden. Blattreiche Extrakte liefern mehr davon als reine Blütenextrakte.
Was sind Cannflavine?
Cannflavine sind eine kleine Gruppe von Flavonoiden, die fast nur in der Hanfpflanze vorkommen. Bekannt sind Cannflavin A, B und C. Sie entstehen aus dem Flavon Luteolin, das die Pflanze in zwei Schritten umbaut: Zuerst hängt sie eine Methylgruppe an, dann eine längere Fettkette.
Die Forschung interessiert sich für diese Stoffe, weil sie in Laborversuchen auffällige Eigenschaften zeigten. Konkret hemmten Cannflavine im Reagenzglas zwei Enzyme, die an der Bildung von Entzündungsstoffen beteiligt sind. Auch diese Befunde stammen ausschließlich aus dem Labor.
Ihre Mengen in der Pflanze sind jedoch sehr gering. Für eine Studie gewannen Forscher aus 300 Kilogramm Blättern und Blüten weniger als 40 Gramm Cannflavin A. Diese geringe Ausbeute bremst die weitere Forschung spürbar.
Inzwischen ist der Bildungsweg der Cannflavine in der Pflanze entschlüsselt, einschließlich der beteiligten Enzyme. Damit ließen sich die Stoffe künftig auch in Kulturen oder Mikroorganismen herstellen. Ob das gelingt, prüfen laufende Arbeiten.
Der Forschungsstand zu Hanf-Flavonoiden
Der Forschungsstand ist früh und bleibt auf Labor und Tier beschränkt. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 wertete 26 Studien zu Cannflavinen aus: Alle Untersuchungen waren vorklinisch, also Reagenzglas- oder Tierversuche. Studien am Menschen gibt es nicht.
In Zellversuchen wirkten Cannflavine auf Entzündungsenzyme und auf bestimmte Krebszelllinien. Die Autoren solcher Studien betonen selbst, dass Untersuchungen am Menschen fehlen. Es gibt keine eindeutigen Belege dafür, dass Hanf-Flavonoide beim Menschen eine bestimmte Wirkung entfalten.
Offen ist auch die Frage, ob Flavonoide gemeinsam mit Cannabinoiden und Terpenen die Gesamtwirkung eines Extrakts beeinflussen. Diese Vermutung trägt den Namen Entourage-Hypothese. Für Flavonoide ist sie bislang kaum untersucht.
Für eine echte Beurteilung fehlt fast alles: Studien zur Aufnahme in den Körper, zur wirksamen Menge und zur Wirkung beim Menschen. Bis solche Daten vorliegen, bleiben Hanf-Flavonoide ein Forschungsthema, kein Gesundheitsversprechen.
Einige Untersuchungen legen nahe, dass Flavonoide die Verarbeitung anderer Pflanzenstoffe im Körper beeinflussen könnten, etwa über Leberenzyme. Auch das ist bislang eine Hypothese ohne klinische Prüfung.
Welche Begriffe werden mit Flavonoiden verwechselt?
Drei Abgrenzungen helfen beim Lesen von Produktbeschreibungen und Forschungstexten.
-
Flavonoide sind keine Terpene. Terpene liefern Geruch und Geschmack des Hanfs; Flavonoide wirken als Farb- und Schutzstoffe. Beide Gruppen sind chemisch verschieden.
-
Flavonoide sind keine Cannabinoide. Cannabinoide wie CBD kommen fast nur im Hanf vor; Flavonoide sind in der ganzen Pflanzenwelt verbreitet.
-
Cannflavine sind keine typischen Flavonoide. Sie tragen zusätzliche Seitenketten und kommen nahezu nur im Hanf vor.
Vertiefende Artikel
Dieser Eintrag liefert bewusst nur die Kurzfassung des Begriffs. Er beantwortet, was das Wort Flavonoide bedeutet und welche dieser Stoffe im Hanf vorkommen. Wer tiefer einsteigen möchte, findet die verwandten Stoffgruppen in den Artikeln des Themengebiets Grundlagen. Dort stehen Aufbau, Vorkommen und Forschungsstand im Detail.
Die verwandte Stoffgruppe der Duftstoffe behandelt der Artikel über Terpene im Hanf. Wie Cannabinoide, Terpene und Flavonoide möglicherweise zusammenwirken, ordnet der Artikel über den Entourage-Effekt ein. Den Eintrag zur bekanntesten Hanfsubstanz finden Sie bei Cannabidiol. Weitere Fachbegriffe stehen im Glossar dieser Website.
Quellen
- 1.Chemistry and Biological Activities of Cannflavins of the Cannabis Plant(öffnet in neuem Tab)— Cannabis and Cannabinoid Research (Fachzeitschrift)B · Peer-reviewte StudieAbruf: 12. August 2026
- 2.Flavonoids in Cannabis sativa: Biosynthesis, Bioactivities, and Biotechnology(öffnet in neuem Tab)— ACS Omega (Fachzeitschrift)B · Peer-reviewte StudieAbruf: 12. August 2026
- 3.Anti-cancer properties of cannflavin A and potential synergistic effects with gemcitabine, cisplatin, and cannabinoids in bladder cancer(öffnet in neuem Tab)— Journal of Cannabis Research (Fachzeitschrift)B · Peer-reviewte StudieAbruf: 12. August 2026
- 4.Cannflavins — From plant to patient: A scoping review(öffnet in neuem Tab)— Fitoterapia (Fachzeitschrift)B · Peer-reviewte StudieAbruf: 12. August 2026
- 5.Cannabis sativa: The Plant of the Thousand and One Molecules(öffnet in neuem Tab)— Frontiers in Plant Science (Fachzeitschrift)B · Peer-reviewte StudieAbruf: 12. August 2026
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