CB1- und CB2-Rezeptoren sind die Andockstellen, an denen Cannabinoide im Körper Signale auslösen. Dieser Glossareintrag definiert beide Begriffe, zeigt ihr Vorkommen im Körper und grenzt sie von Begriffen ab, mit denen sie oft verwechselt werden.
Die Kurzdefinition steht im Kasten direkt unter dem Titel. Die Abschnitte darunter erklären die Details. Wer nur die Kurzfassung sucht, ist nach dem Kasten fertig. Wer Hintergrund sucht, liest weiter.
Das Thema lohnt sich für alle, die Texte über CBD lesen. Ohne die beiden Rezeptoren lässt sich kaum verstehen, warum THC berauscht und CBD nicht. Viele Artikel auf dieser Website bauen auf diesen Begriffen auf.
Was sind CB1- und CB2-Rezeptoren?
CB1- und CB2-Rezeptoren sind die beiden Hauptrezeptoren des Endocannabinoid-Systems. Ein Rezeptor ist eine Andockstelle in der Hülle einer Zelle. Trifft ein passender Botenstoff auf diese Stelle, löst er ein Signal im Inneren der Zelle aus.
Beide Rezeptoren gehören zur Familie der G-Protein-gekoppelten Rezeptoren. Diese Familie ist die größte Rezeptorgruppe im menschlichen Körper. Auch viele Arzneistoffe wirken über Rezeptoren dieser Bauart.
Die Forschung beschrieb den CB1-Rezeptor erstmals 1988 und klonte ihn 1990. Der CB2-Rezeptor folgte 1993. Die zugehörigen Gene heißen CNR1 auf Chromosom 6 und CNR2 auf Chromosom 1. Beide Rezeptoren teilen etwa 44 Prozent ihrer Aminosäurefolge.
Nach der Aktivierung koppeln beide Rezeptoren ein hemmendes G-Protein. Die Zelle bildet dann weniger des Signalmoleküls cAMP. Gleichzeitig ändern bestimmte Calcium- und Kaliumkanäle ihr Verhalten. Auf diesem Weg dämpft der Rezeptor die Freisetzung weiterer Botenstoffe.
Wo kommen CB1- und CB2-Rezeptoren im Körper vor?
Der CB1-Rezeptor sitzt vor allem im Gehirn und im Rückenmark. Der CB2-Rezeptor kommt vor allem in Zellen des Immunsystems vor. Die wichtigsten Unterschiede im Überblick.
| Merkmal | CB1-Rezeptor | CB2-Rezeptor |
|---|---|---|
| Hauptvorkommen | Zentrales Nervensystem | Immunsystem |
| Typische Orte | Hippocampus, Basalganglien, Großhirnrinde, Kleinhirn | Milz, Mandeln, weiße Blutkörperchen |
| Weitere Orte | Leber, Fettgewebe, Haut, Darm | Mikroglia im Gehirn bei Erkrankung |
| Gen | CNR1 (Chromosom 6) | CNR2 (Chromosom 1) |
| Eiweißlänge | 472 Aminosäuren | 360 Aminosäuren |
Der CB1-Rezeptor zählt zu den häufigsten Rezeptoren seiner Familie im Gehirn. Dort beeinflusst er die Freisetzung von Botenstoffen zwischen Nervenzellen. In geringerer Menge kommt er auch in Organen wie Leber und Fettgewebe vor.
Außerhalb des Gehirns übernimmt der CB1-Rezeptor weitere Aufgaben. Im Darm beeinflusst er Bewegung und Empfinden der Verdauungsorgane. In Leber und Fettgewebe ist er an der Steuerung des Energiehaushalts beteiligt. Diese breite Verteilung erklärt, warum das Signalsystem so viele Körperfunktionen berührt.
Der CB2-Rezeptor galt lange als reiner Rezeptor des Immunsystems. Inzwischen ist bekannt, dass er auch im Gehirn vorkommt, etwa auf Mikroglia, den Immunzellen des Nervensystems. Bei Gewebeverletzung oder Entzündung kann die Zahl der CB2-Rezeptoren auf das Hundertfache steigen.
Welche körpereigenen Stoffe aktivieren diese Rezeptoren?
Die körpereigenen Botenstoffe des Systems heißen Endocannabinoide. Die beiden bestuntersuchten sind Anandamid und 2-Arachidonoylglycerol, kurz 2-AG.
- Anandamid wirkt vor allem am CB1-Rezeptor und aktiviert ihn nur teilweise.
- 2-AG aktiviert beide Rezeptoren vollständig.
- Das Enzym FAAH baut Anandamid ab.
- Das Enzym MAGL baut 2-AG ab.
Anders als klassische Nervenbotenstoffe bildet der Körper Endocannabinoide nach Bedarf. Sie entstehen genau dann, wenn eine Zelle sie benötigt, und werden rasch wieder abgebaut. So steuert das System Vorgänge wie Stimmung, Appetit und Schmerzverarbeitung fein abgestimmt.
Ein besonderes Merkmal ist die Richtung der Signale. Endocannabinoide wirken rückwärts gerichtet: Eine Nervenzelle setzt sie frei, und sie wandern zur vorgeschalteten Zelle zurück. Dort bremsen sie über CB1 die Freisetzung weiterer Botenstoffe. Fachleute nennen das retrograde Signalübertragung.
THC und CBD an den beiden Rezeptoren
THC, das berauschende Cannabinoid der Hanfpflanze, aktiviert beide Rezeptoren direkt. In Laborversuchen bindet THC 62-mal stärker an CB1 und 125-mal stärker an CB2 als seine Säurevorstufe THCA. Gleichzeitig aktiviert es den CB1-Rezeptor schwächer als der körpereigene Stoff 2-AG. Die Aktivierung von CB1 im Gehirn erklärt die psychoaktive Wirkung von THC.
CBD verhält sich anders, als viele Beschreibungen nahelegen. CBD dockt an CB1 und CB2 kaum direkt an; seine Bindungsstärke am CB1-Rezeptor liegt im Mikromolar-Bereich und ist damit gering.
Stattdessen verändert CBD den CB1-Rezeptor aus einer Nebenposition heraus. Fachleute nennen das negative allosterische Modulation: CBD schwächt ab, wie stark THC den Rezeptor aktiviert. Dieser Befund stammt aus Laboruntersuchungen und erklärt, warum CBD keine berauschende Wirkung auslöst.
Ein weiterer Unterschied liegt in der Stärke der Botenstoffe. Der körpereigene Stoff 2-AG aktiviert CB1 vollständig, THC nur teilweise. Unter bestimmten Bedingungen kann THC deshalb die Wirkung von 2-AG abschwächen: Es besetzt den Rezeptor, aktiviert ihn aber nicht voll.
Diese Unterscheidung hilft beim Lesen von Werbetexten. Formulierungen wie „CBD wirkt über die Cannabinoid-Rezeptoren“ greifen zu kurz. Die Forschung beschreibt für CBD ein ganzes Bündel anderer Angriffspunkte, etwa Rezeptoren aus der TRP-Familie.
Welche Begriffe werden oft verwechselt?
Drei Verwechslungen begegnen in Texten über dieses Thema besonders häufig. Der Eintrag grenzt sie ausdrücklich ab.
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CB1 ist nicht CB2. Beide Rezeptoren stammen von verschiedenen Genen, sitzen an verschiedenen Orten und erfüllen verschiedene Aufgaben.
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Ein Rezeptor ist kein Endocannabinoid. Der Rezeptor ist die Andockstelle; das Endocannabinoid ist der Botenstoff, der dort andockt.
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CBD aktiviert den CB1-Rezeptor nicht direkt. CBD moduliert den Rezeptor nur indirekt und löst selbst keine Rauschwirkung aus.
Diese Abgrenzungen helfen beim Lesen von Forschungstexten und Produktbeschreibungen. Wer sie kennt, erkennt ungenaue Formulierungen schneller.
Vertiefende Artikel
Dieser Eintrag liefert bewusst nur die Kurzfassung der beiden Begriffe. Er beantwortet, was die Wörter CB1 und CB2 bedeuten und wo die Rezeptoren im Körper sitzen. Wer tiefer einsteigen möchte, findet die ausführliche Behandlung in den Artikeln des Themengebiets Grundlagen und Wirkung.
Die ausführliche Behandlung des gesamten Signalsystems mit Botenstoffen und Enzymen steht im Artikel über das Endocannabinoid-System. Wie CBD im Einzelnen an Rezeptoren und anderen Angriffspunkten wirkt, erklärt der Artikel über den Wirkmechanismus von CBD. Den eigenen Eintrag zur Substanz finden Sie bei Cannabidiol im Glossar dieser Website.
Quellen
- 1.Review of the Endocannabinoid System(öffnet in neuem Tab)— Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscience and Neuroimaging (Fachzeitschrift)B · Peer-reviewte StudieAbruf: 12. August 2026
- 2.CB1 and CB2 Receptor Pharmacology(öffnet in neuem Tab)— Advances in Pharmacology (Fachzeitschrift)B · Peer-reviewte StudieAbruf: 12. August 2026
- 3.Cannabinoid Receptors and the Endocannabinoid System: Signaling and Function in the Central Nervous System(öffnet in neuem Tab)— International Journal of Molecular Sciences (Fachzeitschrift)B · Peer-reviewte StudieAbruf: 12. August 2026
- 4.An Introduction to the Endogenous Cannabinoid System(öffnet in neuem Tab)— Biological Psychiatry (Fachzeitschrift)B · Peer-reviewte StudieAbruf: 12. August 2026
- 5.Affinity and Efficacy Studies of Tetrahydrocannabinolic Acid A at Cannabinoid Receptor Types One and Two(öffnet in neuem Tab)— Cannabis and Cannabinoid Research (Fachzeitschrift)B · Peer-reviewte StudieAbruf: 12. August 2026
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