CBD wächst nicht als fertiger Stoff im Ladenregal — es wird aus der Hanfpflanze gewonnen. Das geschieht in einem mehrstufigen Verfahren: Anbau, Ernte, Extraktion, Reinigung und Standardisierung. Welche Methode dabei zum Einsatz kommt, entscheidet mit, welche Pflanzenstoffe am Ende im Extrakt stecken. Diese Seite erklärt die Verfahren und ihre Unterschiede — ohne Anleitung zum Selbermachen, aber mit allem, was Sie zum Einordnen brauchen.
Wie wird CBD aus der Hanfpflanze gewonnen?
CBD wird aus den Blüten und blütennahen Blättern von Nutzhanf gewonnen. Dort sitzen die Drüsenhaare, die das cannabinoidreiche Harz bilden. Dieses Harz besteht zu etwa 80 bis 90 Prozent aus Cannabinoiden. Die Gewinnung läuft in vier Schritten: Anbau und Ernte, Extraktion, Reinigung und Standardisierung des Extrakts.
Samen und Wurzeln tragen keine Drüsenhaare und liefern daher keine Cannabinoide. Hanfsamenöl wird aus den Samen gepresst und ist kein Extrakt im hier beschriebenen Sinn. Für die Gewinnung von CBD kommen nur die harztragenden Pflanzenteile infrage.
Der Weg vom Feld zum Extrakt im Überblick.
- Anbau von Nutzhanf mit zertifiziertem Saatgut, Ernte und Trocknung der Blütenstände.
- Extraktion der Cannabinoide mit einem Lösungsmittel oder überkritischem CO2.
- Reinigung des Rohextrakts, etwa durch Filtration und Winterisierung.
- Standardisierung auf einen festen CBD-Gehalt, meist gelöst in einem Trägeröl.
Jeder Schritt beeinflusst das Endprodukt. Sorte und Erntezeitpunkt bestimmen die Ausgangsstoffe, das Verfahren bestimmt, welche Stoffe im Extrakt landen. Qualität entsteht also nicht erst im Labor, sondern beginnt auf dem Feld — das ist die Feld-vor-Labor-Regel.
Die Qualität des Ausgangsmaterials legt dabei die Obergrenze fest. Boden, Sorte und Erntezeitpunkt entscheiden, welche und wie viele Cannabinoide die Pflanze gebildet hat. Kein noch so sauberes Verfahren holt später mehr heraus, als die Blüten enthalten. Wer ein Produkt beurteilt, fragt daher immer nach zwei Dingen: dem Ausgangsmaterial und dem Verfahren.
Welche Extraktionsverfahren gibt es?
Drei Verfahren dominieren: die Extraktion mit überkritischem CO2, die Extraktion mit Ethanol und die Öl-Extraktion. Alle beruhen auf demselben Prinzip: Cannabinoide lösen sich gut in Fetten und bestimmten Lösungsmitteln, kaum in Wasser.
Bei der CO2-Extraktion wird Kohlendioxid unter hohem Druck in einen Zustand gebracht, der zwischen Gas und Flüssigkeit liegt. In diesem überkritischen Zustand löst es die Cannabinoide aus dem Pflanzenmaterial. Entweicht das CO2 danach in die Luft, bleibt kein Lösungsmittelrest zurück.
Über Druck und Temperatur lässt sich das Verfahren fein steuern. Die untersuchten Verfahren arbeiten meist mit Drücken zwischen 100 und 380 bar und Temperaturen zwischen 35 und 80 Grad Celsius. Höherer Druck löst mehr Stoffe, kostet aber Selektivität — dann landen auch Wachse und Farbstoffe im Extrakt. Manche Hersteller geben Ethanol als Hilfslösungsmittel hinzu, um mehr saure Cannabinoide zu gewinnen.
Die Anlagen für dieses Verfahren sind teuer. Es lohnt sich daher vor allem für größere Hersteller mit gleichbleibenden Chargen.
Bei der Ethanol-Extraktion übernimmt Alkohol diese Aufgabe. Das Verfahren ist kostengünstig und liefert eine hohe Ausbeute, zieht aber auch unerwünschte Stoffe wie Wachse und Farbstoffe mit. Der Alkohol muss anschließend vollständig entfernt werden.
Auch hier entscheiden die Bedingungen über das Ergebnis. Kalt geführte Prozesse bewahren mehr Terpene, warme lösen mehr Begleitstoffe. Weil Alkohol fast alles aus der Pflanze herauszieht, entsteht ein breites, aber wenig selektives Rohextrakt — mit einem spürbaren Anteil saurer Cannabinoide.
Die Öl-Extraktion nutzt ein Trägeröl und Wärme. Sie kommt mit geringem Aufwand aus, liefert aber nur schwach konzentrierte Extrakte und spielt industriell kaum eine Rolle. Ein Sonderfall ist die Wasserdampf-Destillation: Sie gewinnt vor allem Duftstoffe, die Terpene, aber kaum Cannabinoide.
Die Verfahren im direkten Vergleich.
| Verfahren | Prinzip | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Überkritische CO2-Extraktion | verdichtetes CO2 löst die Cannabinoide | kein Lösungsmittelrest, gut steuerbar | teure Anlagen, weniger Terpene |
| Ethanol-Extraktion | Alkohol löst die Pflanzenstoffe | kostengünstig, hohe Ausbeute | Lösungsmittelreste möglich, mehr Nacharbeit |
| Öl-Extraktion | Trägeröl löst die Stoffe bei Wärme | geringer Aufwand, lebensmittelgängig | schwach konzentriert, industriell kaum üblich |
| Wasserdampf-Destillation | Dampf reißt Duftstoffe mit | viele Terpene im Auszug | kaum Cannabinoide im Auszug |
Eine Vergleichsstudie aus dem Jahr 2024 hat die drei Hauptverfahren an derselben Pflanze getestet. Das Ergebnis: CO2-Extrakte enthielten die meisten Cannabinoide, Ethanol-Extrakte die meisten sauren Vorstufen und die Destillate die meisten Terpene. Die Ausbeute unterschied sich ebenfalls stark — Ethanol lieferte über ein Fünftel der eingesetzten Pflanzenmasse als Extrakt, CO2 nur knapp zwei Prozent.

Was passiert bei der Decarboxylierung?
Bei der Decarboxylierung wandelt Hitze die sauren Vorstufen der Cannabinoide in ihre neutralen Formen um. Die Pflanze bildet CBD nämlich zunächst als Cannabidiolsäure, kurz CBDA. Erst Wärme spaltet einen Teil des Moleküls ab — und aus CBDA wird CBD.
Eine Laborstudie aus dem Jahr 2016 hat diesen Prozess genau vermessen. Sie zeigt: Jede Säure wandelt sich in eigenem Tempo um, und Temperatur sowie Dauer bestimmen, wie vollständig die Umwandlung gelingt. THCA, die Vorstufe von THC, reagiert dabei schneller als CBDA.
Die Studie zeigt auch eine Grenze des Hitzeschritts. Bei CBDA und CBGA ging ein Teil der Substanz während der Erhitzung verloren, ohne als neutrales Cannabinoid wieder aufzutauchen. Zu viel Hitze kann die Ausbeute also mindern statt steigern.
Hersteller führen den Hitzeschritt vor oder nach der Extraktion durch. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023 beschreibt, dass vorgetrocknetes, erhitztes Material bei der CO2-Extraktion spürbar mehr CBD liefert. Steht auf einem Etikett „decarboxyliert“, wurde dieser Schritt bereits durchgeführt.
Darum finden sich in manchen Extrakten beide Formen nebeneinander. Ethanol-Extrakte enthalten nach der Vergleichsstudie von 2024 den höchsten Anteil saurer Vorstufen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die Alltagsrelevanz geprüft. In seinen Versuchen wandelte sich bei einem Teeaufguss mit 100 Grad Celsius praktisch kein THCA in THC um. In heißem Speiseöl bei 180 Grad war die Zunahme ebenfalls gering. Decarboxylierung ist also ein kontrollierter Prozessschritt — kein Vorgang, der nebenbei in der Küche abläuft.
Vom Rohextrakt zum fertigen Extrakt
Der Rohextrakt aus der Extraktion ist noch kein fertiges Produkt. Er enthält neben den Cannabinoiden auch Wachse, Fette und Farbstoffe. Die Reinigung entfernt diese Begleitstoffe — etwa durch Winterisierung, bei der Wachse bei Kälte ausfallen und abfiltriert werden.
Anschließend wird der Extrakt auf einen definierten CBD-Gehalt gebracht. Dafür lösen ihn die Hersteller in einem Trägeröl, etwa MCT-Öl oder Hanfsamenöl. Das Trägeröl enthält selbst keine relevanten Cannabinoide; es macht den Extrakt nur dosierbar.
Für die Flasche im Regal zählt am Ende die Menge in Milligramm. Ein hochprozentiger Extrakt in einer kleinen Flasche kann weniger CBD enthalten als ein schwächerer in einer großen. Der Prozentwert beschreibt nur das Mischverhältnis, nicht die Gesamtmenge.
Je nach Reinheitsgrad entstehen drei Extrakttypen: der Vollspektrum-Extrakt mit allen Pflanzenstoffen, der Breitspektrum-Extrakt ohne nachweisbares THC und das reine Isolat. Was diese Typen inhaltlich unterscheidet, erklärt der Vergleichsartikel zu Vollspektrum, Breitspektrum und Isolat.
Die Themenseite CBD-Grundlagen ordnet Extraktion und Extrakttypen in das Gesamtbild ein. Grundlagen zur Substanz selbst liefert die Seite Was ist CBD?.
Was das Verfahren für die Qualität bedeutet
Das Verfahren bestimmt, was im Extrakt steckt — und was nicht. Zwei Öle mit demselben Prozentwert können sich in ihrem Stoffprofil unterscheiden, je nachdem, wie sie gewonnen wurden. Der Prozentwert allein sagt daher wenig über die Zusammensetzung aus. Und die Feld-vor-Labor-Regel bleibt die Obergrenze: Was die Blüten nicht enthalten, kann auch das sauberste Verfahren nicht liefern.
Prüfen lässt sich das nur im Labor. Ein aktuelles Analysezertifikat eines unabhängigen Labors zeigt den gemessenen CBD-Gehalt und die Werte für THC und unerwünschte Stoffe. Produkte ohne ein solches Zertifikat lassen sich nicht zuverlässig beurteilen.
Vier Angaben auf einem Etikett helfen bei der Einordnung.
- Extrakttyp: Vollspektrum, Breitspektrum oder Isolat.
- Gehalt in Milligramm, nicht nur der Prozentwert auf der Vorderseite.
- Trägeröl, etwa MCT-Öl oder Hanfsamenöl.
- Verweis auf ein aktuelles Analysezertifikat.
Misstrauen ist angebracht, wenn ein Anbieter eine Methode als die einzig gute darstellt. Die Forschung zeigt Unterschiede im Stoffprofil, keine Rangfolge. Ein sauber dokumentierter Ethanol-Extrakt ist besser belegt als ein CO2-Extrakt ohne Zertifikat.
Auch THC-Reste hängen vom Verfahren ab. Extrakte aus Blüten und Blättern enthalten je nach Methode wechselnde THC-Anteile. Wer einen Drogentest im Beruf oder im Straßenverkehr fürchten muss, sollte das wissen: Forensische Tests können auf THC-Spuren reagieren.
Für einige Gruppen ist besondere Vorsicht angeraten. Kinder haben wegen ihres geringen Körpergewichts ein höheres Risiko, zu viel THC aufzunehmen. In der Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Daten vor; Tierversuche zeigen hier mögliche Risiken. Wer Medikamente einnimmt, sollte Wechselwirkungen beachten, weil CBD die Wirkung anderer Arzneimittel beeinflussen kann.
Wann sollten Sie einen Arzt oder Apotheker fragen?
- Sie nehmen regelmäßig Medikamente ein, etwa Blutverdünner oder Mittel gegen Krampfanfälle — mögliche Wechselwirkungen gehören in fachliche Hände.
- Sie sind schwanger oder stillen — hier fehlt jede belastbare Datengrundlage.
- Sie haben eine Lebererkrankung — CBD kann Leberwerte beeinflussen.
- Sie erwägen ein CBD-Produkt für ein Kind oder einen Jugendlichen — dafür gibt es keine Grundlage außerhalb der Medizin.
Rechtliche Einordnung der Herstellung
Als Ausgangsmaterial kommt in Deutschland nur Nutzhanf infrage. § 1 KCanG definiert ihn über zertifiziertes Saatgut aus dem EU-Sortenkatalog und einen THC-Gehalt von höchstens 0,3 Prozent. Seit 2024 liegt die Zuständigkeit dafür beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.
Die Extrakte selbst sind ein eigener Fall. Das BVL stuft Extrakte aus Cannabis sativa, in denen Cannabinoide gezielt angereichert wurden, als neuartige Lebensmittel (Novel Food) ein. Eine Zulassung liegt bislang nicht vor; nach Auffassung des BVL sind solche Erzeugnisse daher nicht verkehrsfähig (Stand: April 2025).
Auch die EFSA kommt vorläufig zu keinem Abschluss. Ihre Sachverständigen konnten die Sicherheit von CBD als neuartiges Lebensmittel wegen Datenlücken nicht feststellen und setzten die Bewertung der Anträge aus. Betont wird dabei: Das bedeutet nicht, dass CBD als unsicher gilt — nur, dass Belege fehlen.
Alle Angaben beschreiben den Stand vom 25. Juli 2026. Die Rechtslage kann sich durch Gesetze, Gerichte oder Behördenpraxis ändern.
Auch das Werberecht betrifft die Herstellung. Für Lebensmittel und Extrakte sind Gesundheitsversprechen in der EU verboten; für CBD ist keine solche Angabe zugelassen. Seriöse Hersteller beschreiben ihr Verfahren sachlich, statt Wirkungen zu versprechen. Anbieter, die Heilsversprechen machen, verstoßen gegen diese Regeln — das ist ein Warnsignal beim Lesen von Etiketten und Webshops.
Wie die Redaktion Quellen prüft und Seiten aktualisiert, beschreibt die Seite Über uns. Einen Einstieg in alle Themen bietet die Startseite von CBDWissen. Die Kurzfassung der wichtigsten Fachbegriffe finden Sie im Glossareintrag zu Cannabidiol.
Häufige Fragen
Quellen
- 1.Effect of Hemp Extraction Procedures on Cannabinoid and Terpenoid Composition(öffnet in neuem Tab)— Plants (Fachzeitschrift, via PubMed Central)B · Peer-reviewte StudieAbruf: 25. Juli 2026
- 2.Supercritical Carbon Dioxide Technology for Recovering Valuable Phytochemicals from Cannabis sativa L.(öffnet in neuem Tab)— Molecules (Fachzeitschrift, via PubMed Central)B · Peer-reviewte StudieAbruf: 25. Juli 2026
- 3.Decarboxylation Study of Acidic Cannabinoids: A Novel Approach Using Ultra-High-Performance Supercritical Fluid Chromatography(öffnet in neuem Tab)— Cannabis and Cannabinoid Research (Fachzeitschrift, via PubMed Central)B · Peer-reviewte StudieAbruf: 25. Juli 2026
- 4.Hanf, THC, Cannabidiol (CBD) & Co — FAQ(öffnet in neuem Tab)— BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit)A · Behörde / RechtAbruf: 25. Juli 2026
- 5.Fragen und Antworten zu den gesundheitlichen Risiken von hanfhaltigen Lebensmitteln und Futtermitteln(öffnet in neuem Tab)— BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung)A · Behörde / RechtAbruf: 25. Juli 2026
Alle 8 Quellen anzeigen
- 6.Konsumcannabisgesetz (KCanG), § 1 Begriffsbestimmungen(öffnet in neuem Tab)— Gesetze im Internet (Bundesministerium der Justiz)A · Behörde / RechtAbruf: 25. Juli 2026
- 7.Cannabidiol: Novel-Food-Bewertungen ausgesetzt bis neue Daten vorliegen(öffnet in neuem Tab)— EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit)A · Behörde / RechtAbruf: 25. Juli 2026
- 8.Änderungen in der Betäubungsmittelgesetzgebung(öffnet in neuem Tab)— BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)A · Behörde / RechtAbruf: 25. Juli 2026
Erstellt von
Die Redaktion von CBDWissen
Die Redaktion von CBDWissen recherchiert und erstellt alle Inhalte auf Basis wissenschaftlicher und behördlicher Quellen. Jeder Artikel folgt einem festen Quellen- und Prüfverfahren.
- Quellenbasiertes Redaktionsverfahren (wissenschaftliche und behördliche Quellen)
Verwandte Artikel
Was ist CBD? Definition, Herkunft und rechtliche Einordnung
Was ist CBD? Definition, Herkunft und Wirkung von Cannabidiol verständlich erklärt — inklusive Abgrenzung zu THC und der aktuellen Rechtslage in Deutschland.
GlossarCannabidiol (CBD): Definition und Einordnung im Glossar
Cannabidiol (CBD) ist ein nicht psychoaktives Cannabinoid aus dem Hanf. Hier stehen Definition, chemische und rechtliche Einordnung und die Abgrenzung zu THC.
ArtikelVollspektrum, Breitspektrum, Isolat: Der Unterschied
Vollspektrum, Breitspektrum oder Isolat? Die drei Extrakttypen im Vergleich: Zusammensetzung, THC-Spuren, Entourage-Effekt und Rechtslage verständlich erklärt.
ArtikelHanföl oder CBD-Öl? Der Unterschied auf dem Etikett
Hanföl oder CBD-Öl? Der wichtigste Unterschied steht auf dem Etikett: Hanfsamenöl stammt aus den Samen, CBD-Öl aus Blüten und Blättern. So prüfen Sie es.
