Drei gläserne Laborfläschchen mit den Beschriftungen CBG, CBN und CBC vor Hanfblättern

Wissen

CBG, CBN und CBC: Was steckt hinter diesen Cannabinoiden?

  • CBG, CBN und CBC sind drei weniger bekannte Wirkstoffe der Hanfpflanze neben CBD und THC.
  • Alle drei gelten als nicht oder kaum psychoaktiv; die Forschung dazu steht noch am Anfang.
  • Werbeversprechen wie besserer Schlaf durch CBN sind wissenschaftlich nicht belegt.

Veröffentlicht am 25. Juli 2026 · Zuletzt aktualisiert am 25. Juli 2026

„CBG-Öl“, „CBN für den Schlaf“, „CBC-Kapseln“ — hinter diesen Abkürzungen stecken drei Wirkstoffe der Hanfpflanze, über die viele Halbwahrheiten kursieren. Diese Seite erklärt, was CBG, CBN und CBC sind, wie sie entstehen und was die Forschung bisher über sie weiß.

Sie richtet sich an alle, die auf Produktetiketten oder in Artikeln auf die Kürzel stoßen. Fachbegriffe erklären wir dort, wo sie auftauchen. Alle Aussagen beruhen auf begutachteten Studien; die Quellen stehen am Ende der Seite.

Die Abschnitte folgen aufeinander: Definition, Herkunft und Entstehung, danach der Forschungsstand zu CBG, zu CBN und zu CBC. Zum Schluss Gemeinsamkeiten, häufige Verwechslungen und der Weg zum Arzt.

Was sind CBG, CBN und CBC?

CBG, CBN und CBC sind Cannabinoide — Wirkstoffe, die die Hanfpflanze Cannabis sativa L. bildet. Die drei Kürzel stehen für Cannabigerol, Cannabinol und Cannabichromene. Sie gehören zu mehr als 150 Cannabinoiden, die Forscher bislang in der Pflanze gefunden haben (Quelle: Maioli 2022).

Bekannt sind vor allem zwei Vertreter dieser Stoffgruppe: THC und CBD. Alle übrigen Cannabinoide nennt die Forschung „minor cannabinoids“ — also Cannabinoide, die in der Pflanze nur in kleinen Mengen vorkommen. CBG, CBN und CBC sind die drei bekanntesten davon.

Auf dem Markt erscheinen die drei Substanzen seit einigen Jahren auch als isolierte Produkte. Hersteller werben dabei oft mit Wirkungen, die die Forschung noch gar nicht geprüft hat. Genau deshalb lohnt ein nüchterner Blick auf das, was bislang wirklich bekannt ist.

Wie die Stoffgruppe als Ganzes aufgebaut ist, erklärt die Übersicht zu den Cannabinoiden als Wirkstoffe der Hanfpflanze. Die Grundlagen zum bekanntesten Vertreter fasst der Einstiegsartikel Was ist CBD zusammen.

Gemeinsam haben die drei Substanzen zwei Eigenschaften. Erstens erzeugen sie keinen Rausch wie THC. Zweitens ist die Forschung zu ihnen jung: Die meisten Erkenntnisse stammen aus Labor- und Tierversuchen, nicht aus Studien am Menschen.

Herkunft: Wie diese Cannabinoide entstehen

Alle drei Substanzen entstehen auf unterschiedlichen Wegen. CBG und CBC bildet die Pflanze direkt. CBN dagegen entsteht erst nach der Ernte — durch Abbau.

Die Pflanze produziert zunächst eine Ausgangssubstanz: die Cannabigerolsäure, kurz CBGA. Aus ihr entstehen über eigene Schritte die sauren Vorstufen von THC, CBD und CBC. Erst durch Wärme oder Licht wandeln sich diese Säuren in die bekannten Wirkstoffe um (Quelle: Calapai 2022).

CBN folgt einem anderen Weg. Es entsteht, wenn THC altert — etwa durch Lagerung, Licht und Sauerstoff. Deshalb steckt in altem Cannabis mehr CBN als in frischem. Die Pflanze selbst bildet so gut wie kein CBN (Quelle: Walsh 2021).

Die drei Entstehungswege im Überblick:

  • CBG: entsteht aus CBGA, der gemeinsamen Ausgangssubstanz vieler Cannabinoide.
  • CBC: entsteht ebenfalls aus CBGA, über einen eigenen Umwandlungsschritt der Pflanze.
  • CBN: entsteht durch Abbau von THC — nach der Ernte, bei Lagerung.

Diese Herkunft erklärt auch die Mengen. Moderne Hanfsorten wurden auf hohe CBD- oder THC-Anteile gezüchtet. CBG, CBN und CBC bleiben darin meist nur Beimengungen in geringer Menge. Für Produkte werden sie deshalb meist aus Extrakten angereichert oder im Labor hergestellt.

Infografik: Entstehung von CBG, CBN und CBC aus der Ausgangssubstanz CBGA und durch THC-Abbau

Was weiß die Forschung über CBG?

CBG gilt als pharmakologisch interessant, ist aber am Menschen kaum untersucht. Das ist die ehrliche Kurzfassung der Studienlage.

Im Labor zeigt CBG ein eigenständiges Profil. Es bindet schwach an die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 — merklich schwächer als THC. Es wirkt auch an anderen Anlaufstellen im Körper, etwa an Rezeptoren, die Botenstoffe des Nervensystems verarbeiten (Quelle: Nachnani 2021).

Zu diesen weiteren Anlaufstellen zählen unter anderem der α2-Adrenozeptor und der 5-HT1A-Rezeptor. Beides sind Andockstellen für körpereigene Botenstoffe, die an Blutdruck und Stimmungsregulation beteiligt sind. Was die Bindung von CBG an diese Stellen beim Menschen bewirkt, ist unklar (Quelle: Nachnani 2021).

Tierversuche untersuchen CBG unter anderem bei Entzündungsmodellen und Nervenkrankheiten. Die Ergebnisse gelten als vorläufig. Eine Übersicht von 2021 betont ausdrücklich, dass über diese Substanz bislang wenig geforscht wurde und vieles weitere Prüfung braucht (Quelle: Nachnani 2021).

Wie solche Signale im Körper grundsätzlich ablaufen, erklärt die Seite zum Endocannabinoid-System. Dort steht auch, warum Laborbefunde an Rezeptoren noch keine Wirkung beim Menschen beweisen.

Wichtig für die Einordnung: Aus Labor- und Tierdaten folgt keine Empfehlung. Ob CBG beim Menschen irgendeine Wirkung hat, ist derzeit offen.

Der Forschungsstand zu CBN

CBN war historisch der erste Cannabinoid, den Forscher isolierten — bereits im Jahr 1896. Trotz dieses Vorsprungs ist die Substanz bis heute dünner erforscht als CBD (Quelle: Walsh 2021).

Die Chemie des CBN beschäftigte Forscher über Jahrzehnte. An seiner Struktur und seinen Synthesewegen entwickelten sie Methoden, die später die gesamte Cannabinoid-Forschung prägten. Das macht CBN zu einem geschichtlich bedeutsamen Molekül — nicht automatisch zu einem wichtigen Wirkstoff (Quelle: Maioli 2022).

Bekannt ist CBN vor allem durch eine Behauptung: Es soll müde machen und beim Einschlafen helfen. Diese Erzählung stammt aus der Beobachtung, dass altes, THC-haltiges Cannabis sedierend wirkt und dabei mehr CBN enthält. Ob das CBN selbst die Ursache ist, wurde damals nicht geprüft.

Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 hat die Beleglage dazu geordnet. Ergebnis: Keine publizierte Studie hat CBN mit anerkannten Schlaf-Messungen untersucht. Die vorhandenen Belege reichen nicht, um Schlaf-Versprechen zu stützen (Quelle: Corroon 2021).

Zur Psychoaktivität: CBN bindet schwächer an den Rezeptor CB1 als THC. In älteren Studien an Menschen zeigte CBN allein keine rauschtypischen Wirkungen. Als Abbauprodukt von THC kann es in Produkten jedoch neben THC-Resten auftreten — der Kontext entscheidet.

Verkauft wird CBN meist als Öl oder Kapsel, häufig mit dem Versprechen besseren Schlafs. Solche Angebote bewegen sich damit vor der Forschung, nicht hinter ihr. Wer ein solches Produkt sieht, sollte die Behauptung und die Beleglage auseinanderhalten.

Was weiß die Forschung über CBC?

CBC zählt neben THC, CBD und CBG zu den vier mengenmäßig auffälligsten Cannabinoiden der Pflanze. Seinen Namen trägt es seit den 1960er-Jahren, als Forscher seine Struktur aufklärten (Quelle: Walsh 2021).

Chemisch ist CBC gut beschrieben: Die Summenformel lautet C21H30O2, das Molekulargewicht beträgt 314,5 g/mol (Quelle: PubChem). Auch CBC erzeugt keinen Rausch.

Im Labor wirkt CBC an mehreren Anlaufstellen. Studien an Zellkulturen beschreiben es als partiellen Agonisten am Rezeptor CB2 — es kann diesen Rezeptor schwach aktivieren. Es reagiert auch an bestimmten Ionenkanälen. Das sind Eiweiße in der Zellhülle, die Sinnesreize wie Hitze oder Kälte weiterleiten (Quelle: Zagzoog 2020).

Auch hier gilt: Die Befunde stammen aus dem Labor und aus Tierversuchen. Was sie für den Menschen bedeuten, prüft die Forschung noch. Werbebotschaften, die CBC bereits jetzt bestimmte Wirkungen zuschreiben, gehen über die Datenlage hinaus. Seriöse Darstellungen unterscheiden deshalb immer zwischen Laborergebnis und belegter Wirkung.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Überblick

Die drei Substanzen teilen Herkunft und Forschungsstand — unterscheiden sich aber in Entstehung und Laborprofil. Diese Tabelle fasst den Stand zusammen.

SubstanzVoller NameEntstehungLaborprofilForschungsstand
CBGCannabigerolAus CBGA, der AusgangssubstanzSchwache Bindung an CB1/CB2, eigene AnlaufstellenLabor und Tiere, kaum Humanstudien
CBNCannabinolAbbau von THC bei LagerungSchwächere CB1-Bindung als THCAlte, kleine Studien; Schlaf-Behauptung unbelegt
CBCCannabichromeneAus CBGA über eigenen SchrittPartieller CB2-Agonist, IonenkanäleLabor und Tiere, kaum Humanstudien

Drei Punkte halten die Gemeinsamkeiten fest:

  • Keine der drei Substanzen erzeugt einen Rausch wie THC.
  • Für alle drei fehlen Studien am Menschen weitgehend.
  • Für alle drei gilt: Werbeversprechen laufen der Forschung voraus.

Der dünne Forschungsstand hat eine praktische Folge. Sicherheitsfragen sind für diese Substanzen noch weniger geklärt als für CBD. Dazu gehören mögliche Wechselwirkungen mit Arzneimitteln, verträgliche Mengen und Wirkungen bei längerer Anwendung. Seriöse Quellen sprechen deshalb von Forschungsständen — nicht von Empfehlungen.

Interessant sind die drei auch im Zusammenspiel mit anderen Pflanzenstoffen. Ob solche Kombinationen mehr bewirken als Einzelstoffe, prüft die Forschung als Entourage-Hypothese (Quelle: Russo 2011). Was dahinter steckt und wie belastbar die Idee ist, erklärt die Seite zum Entourage-Effekt. Auch die aromatischen Begleitstoffe spielen in dieser Debatte mit hinein; sie behandelt die Seite über Terpene im Hanf.

Infografik: Vergleichstabelle von CBG, CBN und CBC mit Entstehung, Laborprofil und Forschungsstand

Achtung: Diese Begriffe werden oft verwechselt

Drei Verwechslungen begegnen im Alltag besonders häufig. Alle drei lassen sich mit je einem Satz auflösen.

Achtung: CBN ist nicht CBD. Die Kürzel ähneln sich, die Substanzen nicht. CBD ist ein Hauptwirkstoff der Hanfpflanze und gut erforscht. CBN ist ein Abbauprodukt von THC und kaum erforscht. Auf Etiketten lohnt der genaue Blick auf die Buchstabenfolge.

Achtung: CBG ist nicht CBGA. CBGA ist die saure Vorstufe, die die Pflanze produziert. CBG entsteht daraus erst durch Wärme. Wer von der „Mutter aller Cannabinoide“ liest, meint in der Regel CBGA — nicht CBG selbst.

Achtung: „Minor“ heißt nicht unwichtig. Der Fachbegriff beschreibt nur die geringe Menge in der Pflanze. Er sagt nichts über Bedeutung oder Wirkung aus — weder im Guten noch im Schlechten.

Diese Abgrenzungen helfen auch beim Lesen von Werbung. Drei Warnsignale deuten auf fragwürdige Versprechen hin:

  • Ein Produkt verspricht Wirkungen, die es nur in Tierversuchen gab.
  • Aus „im Labor untersucht“ wird „erforscht und bewährt“.
  • CBN wird als Einschlafmittel verkauft, obwohl die Belege fehlen.

Wann sollten Sie einen Arzt oder Apotheker fragen?

Diese Seite ersetzt keine Fachberatung. Drei Situationen verdienen das Gespräch mit Arzt oder Apotheker. Der Grund ist immer derselbe: Bei wenig erforschten Substanzen fehlen Sicherheitsdaten, die es für CBD teilweise schon gibt.

  • Sie nehmen Medikamente ein: Cannabinoide können die Wirkung anderer Arzneimittel beeinflussen.
  • Sie sind schwanger oder stillen: Für diese Lebensphase liegen keine ausreichenden Daten vor.
  • Sie haben Beschwerden, die Sie behandeln möchten: Diese Produkte sind keine Arzneimittel.

Gerade bei wenig erforschten Substanzen ist Zurückhaltung sinnvoll. Fehlende Studien bedeuten nicht, dass ein Stoff gefährlich ist. Sie bedeuten, dass niemand seine Wirkungen und Risiken beim Menschen verlässlich kennt. Apotheker und Ärzte können auf diesem Stand individuell beraten — auch darüber, ob ein Produkt überhaupt hält, was sein Etikett verspricht.

Mehr zum Gesamtüberblick bietet die Themenseite CBD-Grundlagen. Einen Einstieg in alle Themen dieser Website finden Sie auf der Startseite von CBDWissen.

Die Kernantwort bleibt: CBG, CBN und CBC sind echte, chemisch gut beschriebene Wirkstoffe der Hanfpflanze. Ihre Erforschung steht aber am Anfang. CBG stammt aus der Ausgangssubstanz der Pflanze, CBN aus dem Abbau von THC, CBC aus einem eigenen Bildungsschritt. Wer das weiß, kann Etiketten und Werbeversprechen nüchtern einordnen — und fragt bei Unsicherheit lieber einmal mehr in der Apotheke nach.

Häufige Fragen

Quellen

  1. 1.The Pharmacological Case for Cannabigerol(öffnet in neuem Tab)Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics
    B · Peer-reviewte StudieAbruf: 25. Juli 2026
  2. B · Peer-reviewte StudieAbruf: 25. Juli 2026
  3. B · Peer-reviewte StudieAbruf: 25. Juli 2026
  4. B · Peer-reviewte StudieAbruf: 25. Juli 2026
  5. B · Peer-reviewte StudieAbruf: 25. Juli 2026
Alle 8 Quellen anzeigen
  1. B · Peer-reviewte StudieAbruf: 25. Juli 2026
  2. 7.Cannabichromene — Compound Record(öffnet in neuem Tab)PubChem (National Library of Medicine, NIH)
    A · Behörde / RechtAbruf: 25. Juli 2026
  3. B · Peer-reviewte StudieAbruf: 25. Juli 2026

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